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Die Jacobuskirche in Rolde

Die Geschichte dieser Kirche ist sehr alt. Etwa im Jahre 900 wurde hier die älteste, hölzerne Kirche errichtet. Anläßlich der großen Restaurierungsarbeiten 1961-1964 entdeckte man bei Ausgrabungen unter der Kirche Überreste von noch zwei hölzernen Kirchen. Etwa im Jahre 1200 wurde dann die erste Kirche aus Ziegeln erbaut in romanischen Stil; im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts erhielt sie die heutige gotische Gestalt. Im 19. Jahrhundert hatte man die Kirche in Stil und Charakter verändert und dabei manches zerstört. In den Jahren 1961 bis 1964 wurde sie jedoch im ursprünglichen Baustil wieder restauriert.

Der Turm, Eigentum der bürgerlichen Gemeinde, ist vom sogenannten Drentschen Typ und hat eine Höhe von 52,75 meter.

 

Beim betreten der Kirche finden Sie gleich links die Replik eines alten Opferstocks aus dem Jahre 1697; das Original wurde gestohlen. Sicherheitshalber konnte dieser Opferstock nur von drei Schlüsseln gleichzeitig geschlossen and geöffnet werden und dazu brauchte man selbstverständlich mindestens zwei Personen.

Die Orgel (1820) schenkte im Jahre 1847 ein Pastor emeritus der Gemeinde. Diese sogenannte westfälische Orgel besitzt zwei Manuale and über 1200 Pfeifen, von denen die ältesten ungefähr aus dem Jahre 1700 stammen.

Durch die breite Tür an der Nordseite wurde der Sarg mit dem Verstorbenen hindurchgetragen. An der Südseite befindet sich eine schmalere Tür, durch die der Bischof oder sein Stellvertreter hinaustrat und sich draußen auf einen Kirchenstuhl setzte um dort, unter freien Himmel, zum Volk zu sprechen und beschlüsse und auch Gerichtsurteile zu verkünden.

Der Adler an der Südwand ist ein altes biblisches Symbol für Christus und seine Auferstehung. Er ist aus Holz und stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Kanzel und das Hölzerne Taufbecken stammen von 1677 bzw. 1680. Das große Taufbecken ist eine Replik des aus Bentheimer Sandstein in der Mitte des 13. Jahrhunderts für die Kirche von Vries geschaffenen Taufbeckens. Die vier Menschfiguren an den Ecken sind so gestaltet als ob sie das Taufbecken tragen.

Bei der Restaurierung 1961-1964 wurden das Chorgewölbe und der Triomphbogen vollständig erneuert. Der Triomphbogen symbolisiert Christus’ Sieg über den Tod. An der Nordseite neben den Bogen befand sich ein Marien-altar. Dies wird durch die Maria-krone im kleinen Fenster links angedeutet. Davor wurden auch Gräber kleiner Kinder gefunden. Auf der anderen Seite hat vermutlich ein Jacobus-altar gestanden, von dem hier eine Jacobs-muschel gefunden wurde, die warscheinlich ein Pilger aus Spanien (Santiago de Compostela) mitgebracht hatte. Hierauf weist die Muschel-darstellung im rechten kleinen Fenster hin. Aus dieser Episode leitet sich auch der heutige Name der Kirche her.

Der kleine Kronleuchter im Chorraum stammt aus dem 17. Jahrhundert. Er wurde 1850 an die katholische Kirche in Assen verkauft, die ihn aber anläßlich der Restaurierung unserer Kirche wieder als Geschenk übergab. An der Nordseite im Chor liegt im Boden ein Teil des Sarkophagedeckels eines alten Rittergrabes aus dem 12. Jahrhundert, der leider einstmals zerteilt wurde und über viele Jahre als Türschwelle zur Kirche Verwendung fand. Im Boden vor der Ostwand befindet sich ein großer Teil der Steinplatte, die vor der Reformation als Altartisch gedient hatte; auf ihr sieht man noch drei von den fünf kleinen Kreuzen, mit denen der Altar geweiht worden war. Davor liegt neben mehreren Grabplatten noch eine sandsteinfarbene Platte, möglicherweise für einen Bischof, was an dem Kreuz und den beiden Krummstäben zu erkennen ist.

In der Kirche gibt es auch eine kleine Ausstellung von Skulpturfragmenten, die man im Kirchhof ausgegraben hat. Ohne Zweifel war die Kirche einmal reichlich dekoriert, bei der Reformation von 1598 sind aber alle Ornamente entfernt worden.

Die acht Buntglasfenster wurden 1964-1968 von Joep Nicolas geschaffen. Das mittlere Fenster im Chor ist ein Geschenk der Provinz und stellt die Gerechtigkeit dar: oben die Symbole der Rechtspflege und der Gesetzgebung und darunter sieht man die Befreiung von Petrus aus dem Gefängnis durch einen Engel (Apg. 12). Das Fenster neben dem Triomphbogen wurde von der Justizbehörde und vom Notariat gestiftet. Auf ihm sind oben die Schöpferhand Gottes und darunter die Früchte seiner Schöpfung sowie ganz unten die Aufteilung des Landes dargestellt. Da seit dem Mittelalter bis 1688 im Chor dieser Kirche Recht gesprochen wurde, schenkten die sechs ehemaligen Gerichtssprengel (Anloo, Beilen, Diever, Rolde, Sleen und Vries) je ein Fenster mit Darstellungen der Wappen und typischen Merkmale ihrer Bereiche.